Nach den Tagen in Toyohashi hieß es am 8. September wieder Koffer packen.
Nächstes Ziel: Atami.
Und damit war ich wieder ein gutes Stück näher an Tokyo.
Atami ist dabei eine ganz andere Welt als Toyohashi. Die Stadt liegt direkt am Meer, gleichzeitig ziehen sich die Berge unmittelbar hinter der Küste hoch. Und das merkt man auch beim Laufen.
Atami ist verdammt steil. 😄
Man läuft ein paar Minuten durch die Stadt und plötzlich geht es wieder ordentlich bergauf. Oder bergab. Und manchmal fragt man sich schon, warum man eigentlich nicht einfach den Bus genommen hat.
Aber genau dadurch bekommt die Stadt ihren ganz eigenen Charakter.
Ich habe die beiden Tage deshalb gar nicht groß durchgeplant, sondern bin einfach losgelaufen und habe mich durch Atami treiben lassen.
Ein bisschen durch die Straßen.
Ein bisschen durch die steileren Bereiche der Stadt.
Immer wieder mit Blick auf das Meer.
Und natürlich zwischendurch einfach an den Strand.
Nach den letzten Tagen mit Regen und spontanen Planänderungen war es schön, einfach mal ein bisschen am Atami Sun Beach zu sitzen, aufs Meer zu schauen und nichts zu müssen.
Auch das gehört für mich mittlerweile zu einer Japanreise dazu.
Manchmal ist ein Nachmittag am Strand genauso wertvoll wie eine große Sehenswürdigkeit.
Ein bisschen Geschichte darf natürlich nicht fehlen
Atami ist heute vor allem als Bade- und Onsenort bekannt. Aber die Geschichte der Stadt reicht natürlich wesentlich weiter zurück.
Schon seit Jahrhunderten ist die Gegend für ihre heißen Quellen bekannt. Atami entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Kur- und Badeort und wurde besonders während der Edo-Zeit auch von höhergestellten Persönlichkeiten besucht.
Und auch später blieb Atami ein beliebter Rückzugsort.
Im 19. und 20. Jahrhundert kamen zahlreiche Künstler und Schriftsteller hierher, um sich vom Alltag zurückzuziehen und zu arbeiten. Die Stadt wurde dadurch auch zu einem bekannten Ort der japanischen Literatur- und Kulturgeschichte.
Man merkt diese Geschichte teilweise noch heute.
Atami ist nicht einfach nur eine Stadt am Meer.
Es ist eine Mischung aus Onsen-Ort, ehemaligem Bade- und Kurort, Wohnstadt, Tourismus und einer Menge Geschichte.
Und irgendwo dazwischen läuft man dann selbst durch die Straßen und versucht, das Ganze mit der Kamera einzufangen.
Kinomiya Jinja
Ein Ziel durfte bei meinem Aufenthalt natürlich nicht fehlen:
Kinomiya Jinja.
Der Schrein gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Atamis und ist besonders für seinen riesigen Kampferbaum bekannt.
Und riesig ist dabei noch untertrieben.
Der Baum soll über 2.100 Jahre alt sein und besitzt einen Stammumfang von etwa 24 Metern. Er ist als nationales Naturdenkmal Japans geschützt.
Wenn man davorsteht, ist das schon beeindruckend.
Man steht dort vor einem Lebewesen, das bereits hier war, lange bevor die heutige Stadt Atami überhaupt existierte.
Es gibt außerdem den Brauch, einmal um den Baum herumzugehen. Der Überlieferung nach soll das ein zusätzliches Lebensjahr bringen. Wer einen Wunsch hat, soll diesen beim Umrunden des Baumes für sich behalten.
Ob man daran glaubt oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen.
Aber ich fand die Atmosphäre dort einfach schön.
Und natürlich musste auch die Kamera wieder ran.
Zwei Tage einfach Atami
Viel mehr gibt es von diesen beiden Tagen eigentlich gar nicht zu erzählen.
Und genau das gefällt mir daran.
Ich habe nicht versucht, Atami komplett zu „erledigen“.
Keine Liste mit zwanzig Sehenswürdigkeiten.
Kein Zeitplan.
Einfach durch die Stadt laufen, die Berge hoch und wieder runter, zwischendurch ans Meer, ein bisschen Geschichte, ein Schrein, ein paar Fotos und natürlich auch mal einfach herumliegen.
Einfach Atami erleben.
Nach Hiroshima und Toyohashi war das wieder ein ganz anderer Abschnitt meiner Reise.
Und gleichzeitig passt Atami perfekt zu dem, was ich inzwischen an Japan so mag:
Man muss nicht immer irgendwohin.
Manchmal reicht es völlig, irgendwo zu sein.
Und jetzt kommt Tokyo
Mit Atami endet nun auch der letzte ruhige Zwischenstopp meiner Reise.
Denn morgen geht es weiter nach Tokyo.
Und damit zurück in eine der größten Metropolregionen der Welt.
Nach Hiroshima.
Toyohashi.
Atami.
Nach kleinen Straßen, Straßenbahnen, Bergen, Meer und japanischem Alltag.
Jetzt wird es wieder groß, laut und voll.
Tokyo wartet.
Und ich glaube, nach den letzten Tagen freue ich mich sogar ein bisschen darauf. 😄


























